Unsere Gefühle

Unsere Gefühle

Wie geht es Ihnen?

Ich meine, wie geht es Ihnen die meiste Zeit?

Sagen wir mal, ich würde Sie stündlich am Ärmel zupfen und nach Ihrem Befinden fragen

was würden Sie antworten?

»Gut«? »Ging schon besser«? Oder: »Muss!«? Sie merken, ich meine die Frage nicht als Floskel.

Und das hat einen Grund: Wie es uns geht, bestimmt nämlich größtenteils, was wir tagtäglich tun!

Warum? Weil wir kaum etwas »einfach so« tun. Stattdessen ist mit vielen Handlungen ein mehr

oder weniger bewusstes Motiv verknüpft:

Der Wunsch, es möge uns danach besser gehen als vorher.

Ein Beispiel: Warum ärgern wir uns manchmal, wenn morgens der Wecker klingelt?

Weil es im Bett so schön gemütlich ist – ein gutes Gefühl.

Jetzt schon aufstehen? Brrrr! Was also tun? Den Alarm um zehn Minuten nach hinten

verschieben – Problem erst mal gelöst.

Beim nächsten Klingeln ist es zwar immer noch gemütlich im Bett, doch je länger

wir nun warten, desto stärker verändert sich unsere Betrachtungsweise:

Wenn wir immer noch nicht aufstehen, schaffen wir nicht, was wir uns vorgenommen haben

- die Kinder versorgen, zur Arbeit gehen, den Haushalt machen. Das wäre schlecht.

Das Gefühl, ein Problem zu bekommen, besiegt beim Wettkampf unserer Gefühle das Wohlgefühl im Bett.

Also: Raus aus den Federn und rein in den Tag!

Sie merken, worauf ich hinaus will: Unsere Gefühle steuern unsere Handlungen. Und wir versuchen

dabei stets, gute Gefühle zu erleben und schlechte zu vermeiden. Weg vom Schmerz, hin zur Lust.

Vielleicht sollten wir unsere Gefühle also genauer betrachten – schließlich werden sie Gedanken

und führen somit zu unseren Handlungen! Auch wenn wir die Folgen unserer Handlungen später

viel lieber »Schicksal« nennen, ob aus Bequemlichkeit oder weil wir nicht genau hinsehen wollen.

Gute Gefühle, schlechte Gefühle

Doch welche Gefühle gibt es überhaupt? Gestatten Sie mir eine Einteilung von Gefühlen in vier

Kategorien, und zwar in gute und schlechte Gefühle sowie kurzfristige und langfristige Gefühle.

Vier Kombinationen sind möglich:

kurzfristige gute Gefühle, langfristige gute Gefühle, kurzfristige schlechte Gefühle und langfristige

schlechte Gefühle.

Betrachten wir zunächst einmal die guten Gefühle.

Die kurzfristigen guten Gefühle kennen wir als Lust, Überraschung, Spaß, Rausch oder Genuss.

Keine Frage: Lauter gute Gefühle und somit lauter gute Motive – jedoch wirken sie leider nur kurzfristig!

Denn nach einem kurzen, manchmal nur Sekunden andauernden angenehmen Kick hören die guten Gefühle wieder auf

– und verlangen erneut nach einem Kick, im Unterschied zu den langfristigen guten Gefühlen:

Die nämlich kennen wir etwa als Glück, Zufriedenheit, Stolz, Mut, Ausgeglichenheit, Gesundheit, Selbstsicherheit oder Geborgenheit.

Langfristige gute Gefühle dauern zeitlich auch dann noch an, wenn ein Kick längst vorbei ist.

Ja, eigentlich braucht man unter dem Einfluss vieler langfristiger guter Gefühle gar nicht so viele Kicks!

Nun zu den schlechten Gefühlen.

Kurzfristige schlechte Gefühle kennen wir als Schmerz, Streit, Verzicht, Furcht, Stress oder Wut.

Auch sie dauern oft nur Sekunden.

Und langfristige schlechte Gefühle kennen wir als Frust, Hoffnungslosigkeit, Langeweile, Mutlosigkeit,

Trauer oder allgemeines Unglücklichsein . Sie können eine gefühlte Ewigkeit dauern.

Und woher kommen diese langfristigen schlechten Gefühle?

Oft sind sie Folge unseres kurzfristigen Verhaltens, das manche gefühlten Unannehmlichkeiten »erst mal« vermeidet!

Was leider die Entstehung langfristiger Probleme begünstigt.

Sie sehen: Unsere Gefühle führen uns mitunter in Sackgassen, obwohl sie die besten Absichten verfolgen!

Denn: Solange wir unser Handeln vorwiegend auf kurzfristige Gefühle konzentrieren, scheitern wir häufig mit

unserem eigentlichen Ansinnen – dem Ziel, uns dauerhaft gut zu fühlen.

Das erreichen wir oft nur, wenn wir kurze Unannehmlichkeiten in Kauf und in Angriff nehmen.

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